Flashback

Rennsport - meine große Leidenschaft



Was sagt die Jüdische Gemeinde zur Rennsport-Leidenschaft ihres Vorsitzenden?
Sport ist meine Leidenschaft, ihr habe ich sogar mein Wohnzimmer geopfert. Statt gemütlicher Couch befinden sich dort Hanteln und andere Fitnessgeräte.



Meine größte Leidenschaft aber ist der Motorrad-Rennsport.


Die Jüdische Gemeinde Münster & Freunde würden es lieber sehen, wenn ich einen Chopper fahren würde, also ein Motorrad, das weniger zum Schnellfahren, sondern mehr zum Cruisen gebaut ist. Sie fürchten Nachrichten wie die im vergangenen Jahr, wenn ich mal wieder gestürzt bin, Rippen und andere Knochen gebrochen habe.
Mich freut auch, dass ich in der Ausübung meiner Renn-Sportleidenschaft scheinbar nicht ganz in das Bild eines Vorsitzenden einer Jüdischen Gemeinde passe, welches sich Mensch gerne so machen. So ist im Internet zu lesen, Zitat:

„Sharon Fehr ist 63 Jahre alt, und das zu glauben fällt wirklich schwer. Denn wenn man ihn so vor sich sieht - schlank, groß gewachsen, mit einer auffallenden Vorliebe für sportlich-legere Kleidung, gern in knalligen Farben - denkt man an vieles, bloß nicht an den Leiter der jüdischen Gemeinde.“
Die Sorgen der Gemeinde kann ich gut nachvollziehen. So habe ich der Gemeinde und insbesondere meiner Stellvertreterin versprochen, am Ende einer Rennstreckenveranstaltung ein Smiley per SMS zu senden. Das funktioniert recht gut.





Wie alles begann...

Mein erster Schritt in die Welt der Motorbiks und Biker begann recht ungewöhnlich. Das war 2002. In den Auslagen des großen Schaufensters eines Motorradhändlers in Münster sah ich eine super schöne Yamaha Thunderace 1000ccm. In den Farben Rot-Silber stand sie hochglanzpoliert da und lachte mich mächtig an. Wie ein Kind klebte ich mit meiner Nase am Schaufenster fest, schmolz regelrecht dahin und war von diesem Motorrad so sehr beeindruckt. Ich machte mich fachkundig und wenige Wochen später nannte ich sie mein Eigen. Ich fühlte mich glücklich, nein – selig! Ich hatte keinerlei Praxis, um die Rakete auf zwei Rädern mit 160 PS ansatzweise sicher durch den Verkehr zu bringen –trotz Fahrerlaubnis Kl. 1 für Motorräder, welche ich im Alter von 21 zusammen mit dem PKW Führerschein erlangt hatte. Also ging ich noch einmal zur

Fahrschule, nachdem ich mich zuvor nach einem Fahrlehrer erkundigt hatte, der selbst Motorrad fährt und es verstehen würde, aus einem Spät"zynder" noch einen sicheren und "flotten" Mopedfahrer zu "formen". Im Laufe der Übungsstunden mit Fahrlehrer Heiner konnte ich noch nicht ahnen, dass die engagierte Leidenschaft meines Fahrerlehrer , der zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfacher deutscher Langstreckenmeister war, meine Entwicklung als Biker entscheidend beeinflussen und die Basis für ein späteres Eintauchen in den Motorradrennsport gelegt werden würde. Bereits 1 Jahr nach meinen ersten Übungen auf dem Handlingparcours und Sicherheitstrainings einschließlich Kurven- und Schräglagentrainings nahm ich an den Fahrertrainings meines Fahrlehrers Heiner auf Rennstrecken mit teil.



Ich lernte verschiedene Fahrstile, Kurventechniken, Bremspunkte, Ideal- und Kampflinien sowie Praxistipps kennen und lernte auch die enorm wichtige Bedeutung einer bestmöglichen technischen Fahrwerksabstimmung des Bikes zu verstehen.


Seither sind mehr als 10 Jahre verstrichen und ich habe mich –Dank meines Fahrlehrers Heiner - vom einstigen Novizen zum begeisterten Hobby-Racer entwickelt. Fit gehalten hatte ich mich bis dahin (von Kindesbeinen an) mit Judo, Volleyball, Triathlon und Kraftsport.



G L Ü C K S M O M E N T E



Das Fundament - Fitness



Schattenseiten

Zu meiner Bilanz persönlich erlebter Schattenseiten im Rennsport gehören: Etliche Stürze, Schlüsselbein- und Rippenfrakturen und in der Saison 2012 kamen dann auch noch durch einen Leichtsinnsfehler 4 Wirbelbrüche und ein schmerzhafter Sehnenabriss im Schulterbereich hinzu. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Leistung der Race-Bikes heute einfach nur brutal ist. Da darf man sich auf der Rennstrecke keinen Fehler erlauben und man muss sich eben auch gut festhalten, wenn `s mit 280 km /h über die Rennpiste geht. Neben weiteren kleineren Blessuren habe ich natürlich auch schon reichlich Materialschaden produziert, was bei einem Hobbyracer ohne Sponsoren ordentlich in `s Portemonnaie einschlägt.



Stürze gehören zum Rennfahren dazu. Sie passieren plötzlich und enden manchmal glimpflich, und manchmal schlimm. Wer sich darauf nicht einstellt, der hat auf der Rennstrecke nichts zu suchen.






Positive Bilanz

Zu meiner positiven Bilanz darf ich rechnen: Die Teilnahme als Lizenzfahrer bei der Deutschen Seriensportmeisterschaft des DMSB (Deutscher Motor Sportbund e.V.), wo ich sogar in die Punkte fahren konnte und im letzten Jahr bei einem Cup auf der Rennstrecke Oschersleben zu meiner aller größten Freude einen Pokal gewonnen habe.





Spaß steht im Vordergrund

Ich habe erfahren, was ich kann, was ich als „Späteinsteiger“ inzwischen gelernt habe, aber auch, wo ich noch zulegen kann und möchte. Dabei vergesse ich nicht, dass ich als inzwischen 64jähriger unter all den vielen jungen „Rennhasen“ gewiss meine Grenzen habe. Bei allem Ehrgeiz, den ich gewiss auch habe, steht bei mir jedoch der Spaß am Hobby- Rennsport im Vordergrund. Wie die meisten meiner Kumpels verdiene ich mit meinem Hobby kein Geld. Ich will Spaß und Freude und im Hobby-Rennsport

ein wenig mitspielen, so gut es eben – noch! - geht. Allerdings will das Tröpfchen Benzin, das ich im Blut verspüre und mein Gehirn erobert, sobald ich meinen Renn-Lederkombi trage, sich nicht immer an diese Grundeinstellung halten. Ich empfinde es dann als besonders aufregend, mein Letztes zu geben, hart zu trainieren, das Gas offen zu lassen auch wenn` s schwer fällt, weil ich auf den Pulk aufzulaufen drohe, der sich vor mir geschlossen durch die erste Kurve zwängt, Adrenalin pur ist das!.



In solchen Situationen geht es auch bei mir nicht mehr um "Hauptsache sitzen bleiben und Spaß haben", sondern Dranbleiben, Gas geben, Fighten! Ein "Racer" sein!


Und wenn es auf der Rennstrecke mal nicht so gut läuft, dann versuche ich mich nicht zu ärgern oder aufzuregen. Ich versuche dann Misserfolge zu verstehen, zu lösen, um es beim nächsten Mal dann eben besser zu machen. Insofern freu ich mich nach dem Training vergangener Woche auf das nun vor mir liegende (Spaß-) Rennen Trimm-Line Cup in Oschersleben.





Das Besondere am Rennsport

Mich am persönlichen Limit zu bewegen, Höhen und Tiefen (Emotionen) in Einklang zu bringen, niemals aufzugeben, immer wieder von neuem zu hoffen, hart zu trainieren für eine Sache, Adrenalin, sich am technischen und persönlichen Limit zu bewegen, der Geruch von Benzin, Öl, Gummi, mit den Knien über den Asphalt zu rutschen und das Bike bei einem Hinterrad -Rutscher noch so eben abzufangen – das ist es, was mich in den Rennsport zog und zieht. Nicht viel, nicht wahr? Jedenfalls habe ich eine Menge Spaß. Und es

ist eben ein tolles Gefühl – anders als beim Autofahren. Du liegst im Wind, du musst dich sehr viel bewegen. Unser Sport ist stets auch ein Fight zwischen Rivalen, an den unmöglichsten Stellen überholen wir, zum Teil berühren wir den Kumpel in den Kurven mit den Armen, mit den Knien, doch außerhalb der Rennstrecke ist das alles vergessen und sind wir Kumpels, die durch ihre Leidenschaft zum Motorrad-Rennsport miteinander eng verbunden sind. Motorrad-Rennsport hebt eben Grenzen auf. Mensch, Maschine & Technik, alles wird eins.





Trotz Stürze und Verletzungen kein Ende?
Freunde (außerhalb der Szene) stellen mir vor allem nach den jüngsten Verletzungen gerne diese Frage. Meine Antwort: Nein, noch nicht!" Verletzungen bedeuten für jeden etwas anderes. Und jeder von uns hat doch auch seine Art, mit ihnen umzugehen. Für mich ist und wäre mit das Schlimmste, nicht zur Rennstrecke fahren zu können. Und Aufzuhören, nur um mich nicht mehr zu verletzten, das ist für mich keine wirkliche Entscheidungsgrundlage. Natürlich denke ich auch über mögliche Folgen nach und auch die jüngsten Verletzungen nehme ich nicht auf die sorglose Schulter.

Ich saß ja auch schon im Rollstuhl und weiß, wie es einem zu Mute ist und es sich anfühlt, wenn mithin der schlimmste Fall eintritt. Der Sturz im vergangenen Jahr mit 4 Wirbelbrüchen hätte diesen Fall für mich bedeuten können. Ich weiß also, was auf mich zukommen kann. Doch ich bin, wie viele meiner Kumpels, etwas verrückt und eben auch ein Meister des Verdrängens. Der Prof. in der Klinik gab mir am Ende der Untersuchungen mit auf den Weg, ich solle auf mich besser aufpassen, nicht mehr stürzen, wobei der Prof. mir vom Rennsport nicht abrät, da ich „unheilbar süchtig“ sei. Wir Motorradfahrer sind eben alle etwas verrückter!



W i r - s i n d - e b e n - e t w a s - v e r r ü c k t e r




Warum fährst Du kaum oder nicht mehr auf der Straße?

Richtig schnelles Motorradfahren ist auf den Straßen heute nicht (mehr) möglich. Der Spagat zwischen Leidenschaft und Vernunft, zwischen Rennstrecke und Straße hat bei mir noch nie funktioniert.

Selbst dann, wenn ich mir fest vorgenommen hatte, diesmal nicht bis zum Anschlag zu beschleunigen, waren die guten Vorsätze weg, sobald ich im Leder steckte und vor allem auch dann, wenn die Kumpels vorne Tempo machten. Landstraßen sind aber alles andere als sicher. Da gibt es Gegenverkehr, Bäume & Gräben am Straßenrand, schlechter Asphalt ohne Gripp, Steinchen und Spuren von Erdreich, Tiere und jede Menge Radarfallen. Mit Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer und aus eigenem Überlebenswillen verzichte ich auf die Straße und bleibe lieber auf der Rennstrecke. Und wenn ich `s dann doch mal wage, dann nur für einige wenige Km auf der „Hausstrecke“, ohne mich auf Teufel komm raus an Biker und Pkws vorbei pressen und auf Messers Schneide überholen zu mussten.

Ich hoffe, ich kann noch einige Jahre zur Rennstrecke fahren, wobei für mich zweifelsohne das wichtigste sein wird: Spaß zu haben, sitzen zu bleiben und, wie meine Freunde es sagen: nur dann zu stürzen, wenn es nicht anders geht.



D a n k s a g u n g

Gerne würde ich allen, die mir bei meiner Entwicklung zum Hobbyracer geholfen haben, danken, doch dann würde diese Liste sehr lang, zu lang werden. Ich passe meinen Dank daher notgedrungen dem Umfang dieser Page an und bedanke mich vor allem bei meinen beiden Freunden Acci#742 "Dinner"#322 (Franki) und "Schrauber" Micha#222. Sie lehrten mich im Laufe der Jahre sehr viel, unterstützten und inspirierten mich und setzten mir nach jedem Crash immer wieder den Floh in `s Ohr, dass ich es beim nächsten Mal gewiß besser machen würde. Ich danke Euch, Acci, Dinnri & Micha. Danke an all meine vielen Kumpels und Wegbegleiter auf der Rennstrecke und hier auf meiner Homepage. DANKE! Euch allen widme ich diesen Rückblick. DANKE! Ms., 21.05.013


Von Links: Dinner; Acci und Micha



s e e - y o u - s o o n